Kreta 2021

Donnerstag, 30. September 2021

Alle Zeichen stehen auf Sturm. Mitunter wird unser Auto nebst Insassen mächtig durchgeschüttelt und Äste streifen immer wieder über das Autodach. Mir graut vor den nächsten Tagen. Ich liege wach im Bett und stelle mir vor, jetzt drei Tage in den fünf Quadratmetern des Grand California gefangen zu sind. Keine schöne Vorstellung. Meine Stimmung sinkt in den Keller. Lust zum Aufstehen verspüre ich auch nicht. Wie jeden Morgen meldet sich mein Handy um 8.00 Uhr mit lieblicher Melodie. Ich drehe mich noch ein paarmal hin und her und krieche dann doch aus den Federn. Heute gibts mal wieder leckeres Honigbrot und ordentlichen Kaffee. Winfried meint, wir sollten einfach unser Programm durchziehen und die Wanderung rund um das Kap Mouri machen. Ja, warum eigentlich nicht. Gegen 10.00 Uhr brechen wir auf, vorher parken wir das Auto noch an einen weniger baumbestandenen Platz. 

Der erste Teil des Weges ist wenig spektakulär, bei der Ferienanlage von Hapimag kommen wir zum vielgerühmten Damnoni Beach, der fest in den Händen von Ferienanlagen und Tavernen ist, die nahezu den kompletten Strand mit Liegen und Sonnenschirmen zugepflastert haben. Wir überqueren den Strand und gehen ein Stück weiter, erreichen zunächst den kleinen Mikro Ammoudi Strand, der ebenso vollgepfercht ist. Schließlich, am dritten Strand, dem Ammoudi Beach, ist nur ein kleiner Teil bestückt und es gibt weder Taverne noch Kiosk. Wir lassen uns auf unserer Decke am feinen Sand nieder und haben alle Hände voll zu tun, unsere Utensilien sturmsicher zu verwahren. Von einem jungen Mann, der gerade im Meer schwimmt, fliegen uns die Badeschlappen um die Ohren. Im Hintergrund schreit der Hüter der Liegen immer wieder „no umbrella, no umbrella“ wenn jemand versucht, den Sonnenschirm zu öffnen. Auf dem Rückweg kehren wir in der mittleren Taverne am Damnoni Beach ein. Für Winfried gibts griechischen Salat, für mich endlich mal Gyros. Leider ist die ketchupartige Soße, in der das Gyrosfleisch gewälzt wurde, so gar nicht nach meinem Geschmack. Der Rückweg über einen zum Teil schroffen, felsigen Küstenpfad in der Höhe ist mitunter eine echte Herausforderung. Einmal, ganz oben, setzen wir uns, um den starken Böen weniger Angriffsfläche zu bieten. Ich bin sehr erleichtert, als wir am Strand von Plakias zurück sind. Wir nehmen noch ein kleines Bad im Meer und trinken dann ein wohlverdientes Mythos in einer der Strandkneipen. Abends gibt es heute Brotzeit im Bus.

Freitag, 1. Oktober 2021

Der Sturm hat die ganze Nacht ordentlich an unserem Auto gerüttelt und auch heute soll es noch den ganzen Tag stürmen. In Chora Sfakia soll es laut Wetter-App weniger schlimm sein mit dem Wind. Wir beschließen weiterzufahren. Zwischenzeit soll Frangocastelli sein. Heute bin ich wieder mit Fahren dran. Von Plakias geht es zunächst in steilen Serpentinen auf enger Straße hoch in ein Bergdorf. Der Fahrer eines Kleinwagens vor uns kommt kaum voran und schließlich bleibt er mitten in einer steil ansteigenden Nadelöhrkurve vollends stehen. Schließlich räumt er das Feld, indem er auf die linke Fahrbahnseite fährt. Irre, was? Die Straße wird breiter und so kommen wir zügig voran. Frangokastelli, eine venezianische Festung aus dem 14. Jahrhundert wirkt nahezu vollständig erhalten, ist aber leider wegen Sanierungsarbeiten geschlossen. Der angrenzende Strand ist verwaist, keine Liege besetzt. Zwei Kleinbusse speien Touristen aus. Diese irren etwas orientierungslos Richtung Strand, während der Sturm an ihnen zerrt. Ein Campingbus steht am Ende der Straße über dem Strand. Eventuell auch ein Übernachtungsplatz für uns falls sich, wie wir befürchten, in Chora Sfakion nichts besseres findet. Dorthin wollen wir aber zunächst und herausfinden, wie das mit den Fähren Richtung Sougia funktioniert und ob es für unser Fahrzeug eine Mitnahmemöglichkeit gibt. Chora Sfakion ist alles zugeparkt, wir wenden und parken am Straßenrand etwas außerhalb des Dorfes. Am Hafen buchen wir für Sonntag 13.00 Uhr eine Fährverbindung nach Sougia für 77 Euro. In Agio Roumeli, dem mehrseitigen Ende der Samaria-Schlucht gibt es einen dreistündigen Aufenthalt. Für heute beschließen wir spontan, die Imbros-Schlucht zu durchwandern. Mit einem Taxi, besser gesagt der alten Schrottkarre des Tavernenwirts gegenüber unseres Parkplatzes, lassen wir uns für 20 Euro zum oberen Eingang der Schlucht fahren. Die Straße schraubt sich endlos in die Höhe. Endlich oben angekommen, weist uns der Fahrer noch den richtigen Ausgang und abwärts geht es zum offiziellen Schluchteingang. Das Kassenhäuschen ist geschlossen, also heute kein Eintritt. Schwarze Wolken hängen in den Bergen und ziehen rasch auf uns zu, hoffentlich gibts keinen Regen. Tatsächlich spürt man ab und zu eine Art Gischt, vom Regen bleiben wir jedoch verschont. Der Pfad ist gut begehbar, immer wieder werden wir von meist jungen tollpatschigen GeherInnen ausgebremst. Lernt man denn heute nicht mal mehr richtig zu gehen? Zunächst verläuft der Abstieg wenig spektakulär, immer wieder bizarre Felsformationen, schließlich aber, ungefähr auf halber Strecke, steigen die Felswände steil auf und die Schlucht verengt sich, so dass man mit ausgebreiteten Armen die Felswände zu beiden Seiten berühren kann. Nach exakt 2 Stunden kommen wir wieder am Auto an. Zurück geht es Richtung Frangokastelli direkt an den Strand. Dort werden wir voraussichtlich die nächsten beiden Nächte verbringen. Drei WoMos sind bereits hier, zwei davon haben sich ins Kiesbett gewagt, wir ziehen es vor, wie der Camper aus Paderborn, am Straßenrand mit Öffnung zum Meer zu parken. Zur Leseratte sei er geworden in diesen Windtagen, erzählt der Herr aus Paderborn. In dieser öden Gegend um Frangokastelli kein Wunder! Er ist mit seiner Frau bereits seit vier Wochen auf Kreta. Vergangene Nacht gab’s hier Windstärke sieben erzählt er uns. Morgen soll es besser werden mit dem Sturm. Abends essen wir ganz passabel in der gleich einige Meter entfernten Taverne. Nachts tobt der Sturm wieder derart und rüttelt an der Breitseite unseres GC und an unseren Nerven, dass wir gegen 11 Uhr nachts auf den Parkplatz des Kastells fahren und uns längs zum Wind ausrichten um dem Unhold möglichst wenig Angriffsfläche zu bieten. Zwei weitere WoMos haben hier bereits Zuflucht vor dem Wind gesucht. Es ist etwas besser, ich stopfe mir aber noch Oropax in die Ohren und so schlafe ich zumindest ein paar Stunden.

Samstag, 2. Oktober 2021

Morgens fahren wir zum Frühstücken Richtung Kap beim Kastell und haben einen schönen Blick auf das Meer. Nach dem Frühstück gehts mit dem Auto nach Chora Sfakion. Hier in der Gegend gibt es nahezu kein Straßenschild, das nicht von Schusslöchern durchsiebt ist. Schießen scheint hier eine Art Volkssport zu sein. Es gibt hier in der Gegend Dörfer, die sich bei Blutrachefehden nahezu ausgerottet haben. Anopoli unweit in den Bergen, ist ein solches Geisterdorf. Vielleicht ist es ja der immerwährende Wind, der den Bewohnern das Hirn ausbläst.

Aber zurück zum heutigen Tag. Wir wandern von Chora Sfakion in das Dörfchen Loutro. Loutro ist autofrei, keine Straße führt dorthin, es ist nur zu Fuß oder über das Wasser zu erreichen. Zunächst wandern wir an den Tavernen am Strand entlang und steigen dann zur Straße nach Anopoli hinauf. Dieser folgen wir eine halbe Stunde, was alles andere als erbaulich ist. Dann aber geht ein Pfad links ab und wir wandern mal auf Felsen mal auf Geröll, steigen mal hinauf und mal hinab, mal im Zick-Zack und mitunter kletternd dem Sweet-Water-Beach entgegen. Dort am Sandstrand, wo es einige Süßwasserquellen gibt, die der Bucht ihren Namen geben, legen wir eine Badepause ein. Mit oder ohne Bekleidung ist hier bedeutungslos, wir wählen letztere Variante, so müssen wir später keine nassen Badesachen einpacken. Nach zweimaligem Wassergang mit anschließenden Sonnenbad folgen wir weiter dem Küstenpfad. Schon bald erreichen wir eine Kapelle und erhaschen dort den ersten Blick auf die weißen Häuser von Loutro. Es kommen uns immer wieder paarweise Ziegen entgegen, die nur widerwillig den Weg für uns frei machen. Aber wir sind letztendlich die Stärkeren. Vorbei an einigen einsamen Kieselbuchten geht es nochmal ordentlich in die Höhe, bevor wir dann in die Bucht von Loutro hinabsteigen. Weiße Häuser mit blauen Fenstern und Türen, drei bis fünf-geschossig, ausschließlich Hotels, Pensionen,Tavernen und Läden, lehnen sich an die hoch aufsteigenden Felswände. Der Nordwind, der uns seit Tagen begleitet, fehlt hier komplett, was wohl dem Abwehrschirm der Felswände im Norden zu verdanken ist. Zunächst führt uns der Weg zum Fährhafen, wir erkundigen uns nach Rückfahrmöglichkeiten und erwerben für 15.45 Uhr Tickets zu je 6 Euro. In einer der Uferkneipen trinken wir unser wohlverdientes Mythos und essen griechischen Salat. Der kleine Strand ist zugepflastert mit Liegen und Sonnenschirmen, die „Sardinenanlage“ von Loutro. Es findet sich kein einziges freies Plätzchen, an dem wir unsere Handtücher ausbreiten und eine kleine Mittagsruhe einlegen können. So trinken wir stattdessen noch einen Espresso und beobachten, wie sich Schwimmer und kleine Touristn- und Fischerboote in dem erstaunlich klaren Wasser nebeneinander tummeln. Für Winfried finden wir ein witziges Zeus-T-Shirt, wie passend, Göttervater, und dann geht es schon auf die Fähre, die uns in 15 Minuten zurück nach Chora Sfakion bringt. Als Übernachtungsplatz wählen wir nochmals den Strand bei Frangokastello. Heute stellen wir uns gleich in den Wind und hoffen so auf eine ruhigere Nacht. Ein dichtbepackter Radler versucht bei einer Tamariskengruppe sein Zelt aufzustellen, muss aber dann einsehen, dass das bei diesem Wind aussichtslos ist. Er packt alles wieder zusammen und wählt dann einen Platz 100 m weiter, wo er sich aus Strandliegen eine kleine Festung baut. Meine Güte, nie im Leben würde ich das machen wollen. 

Sonntag, 3. Oktober 2021

Insgesamt war die Nacht heute ruhiger, der Sturm hat nur selten am Auto gerüttelt und uns durch sein Heulen um das sanfte Rauschen der Wellen gebracht. Am Morgen zeigt die Batterieladekapazität wieder nur 30%. Im Kühlschrank sind die Sachen gefroren obwohl auf niedrigster Stufe und Nachtbetrieb eingestellt ist. Das frisst natürlich Strom ohne Ende. Wir verbringen den Vormittag noch lesend und schauend am Strand von Frangokastello und fahren dann gegen 12 Uhr nach Chora Sfakion, wo um 13.00 Uhr die Fähre nach Sougia abgeht. Alles klappt gut, selbst das rückwärts einfahren und Manövrieren auf die Fähre gelingt mir ganz ordentlich. Heute bin ja ich wieder mit Fahren dran und kneifen gilt nicht. Die Fähroute führt unweit der Küste entlang, den ersten Teil bis Loutro kennen wir bereits von gestern. Nach dem Zwischenstopp in Loutro geht es noch eine Dreiviertelstunde weiter bis Agios Roumeli, besser bekannt als das Ende der berühmten Samariaschlucht. Dort haben wir einen Aufenthalt von 3 Stunden bis 17.30 Uhr. Unser Auto bleibt auf der Fähre zurück. Wir gehen ein Stück Richtung Eingang Schlucht, die Mittagssonne sticht und der Eingang ist nicht in Sicht. So verzichten wir auf Wandern und essen in einer Taverne direkt am kleinen Hafen mit Blick auf die dort mit unserem Auto bepackte Fähre „Samaria I“. Nach dem Essen gehen wir zum kleinen Kiesstrand neben dem Hafen. Der ist gut besetzt, ankommende Wanderer, die ebenso wie wir auf die Fähre warten, nutzen die Gelegenheit für ein kühles Bad. Es ist kurz vor 17 Uhr, wir sind gerade dabei unsere Sachen am Strand zusammenzupacken, da sehen wir am Hafen unsere Fähre abfahren. Panik! Mit Bikini und Handtuch unterm Arm rennen wir Richtung Hafen. Nix zu machen, die Fähre ist weg und damit unser Auto. Wir laufen zum Fahrkartenschalter und machen unserem Entsetzen Luft. Die Dame am Schalter aber versucht uns verständlich zu machen, dass sie schon wieder zurück kommt bis zu unserem Abfahrtszeitpunkt um 17.30 Uhr. Einigermaßen beruhigt aber doch stark irritiert gehen wir wieder Richtung Hafen. Erst jetzt, als eine weitere kleine Fähre einläuft wird uns klar, warum die Fähre ausgelaufen ist, sie macht der anderen Fähre Platz. Noch mal gut gegangen.

Als der Anlegeplatz wieder frei ist, und unsere Fähre wieder festmacht, stürmen hunderte von Menschen gleichzeitig hinein. Wir warten erst mal ab und bleiben dann während der ganzen Fahrt in unserem Auto. So viele Menschen ist nichts für uns. Nach einer knappen Stunde Fahrt dürfen wir mit den einheimischen Pick-Ups als erstes die Fähre verlassen. Auf dem kleinen Autodeck, das gerade mal Platz für ca. 10 Fahrzeuge bietet, werden wir gut umsorgt. 

Gegen 18.30 Uhr legen wir am kleinen Fährhafen von Sougia an, fahren rechts rum an wartenden Bussen und Schildträgern vorbei Richtung Dorf. Zum Strand, dort wo wir bereits von der Fähre aus einige WoMos ausfindig machen konnten, wollen wir hin. Über einen Schotterweg in einem Flusstal und dann weiter am holprigen Strandweg finden wir schließlich ein Plätzchen neben einer Österreicherin, die hier ganz allein in ihrem Skoda Oktavia auf primitivste Weise seit Wochen haust. Es ist erstaunlich windstill aber schon recht kühl. Schließlich geht hier ja schon gegen sieben die Sonne unter und die ganz heißen Tage sind wohl auch hier vorbei. 

Montag, 04. Oktober 2021

Mit dem Fahrrad fahren wir zeitig am Morgen quer durch die Tavernenzeile von Sougia zum Fischerhafen ans Ende der Straße. Unsere Fahrräder zurren wir am Wegmarkierungsschild, dem Eingang in die Lissos-Schlucht, fest und beginnen unsere heutige Wanderung zum antiken Lissos. Gleich nach dem Eingang müssen wir über große, glattgeschliffene Felsen kraxeln, im weiteren Verlauf lassen sich die riesigen Steinbrocken gut umlaufen. Oleanderbüsche säumen den Pfad und schon bald zeigt sich eine hochausteigende überhängende Felswand. Wir verlassen die Schlucht über einen ansteigenden Pfad, der uns auf das Hochplateau Kandouni führt. Durch die Maccia folgen wir den gelbschwarzen Markierungen und steigen dann hinab zu den Überresten des antiken Lissos mit dem Asklepiostempel. Besonders sehenswert sind die Mosaiken im Asklepiostempel, eine byzantinische Kapelle und die kleinen Grabhäuschen am gegenüberliegenden Hang. Der Strand von Lissos Beach mit seinem glasklarem Wasser sieht verlockend aus, im Moment ist es uns aber für ein Bad noch nicht heiß genug. Auf gleichem Weg wandern zurück nach Sougia, packen unsere sieben Sachen und fahren weiter nach Paleochora. Luftlinie sind es nur wenige Kilometer, eine direkte Straße an der Küste gibt es auch hier nicht, die bizarren Felswände machen eine Straßenrealisierung unmöglich. So gehts erst wieder kurvenreich rauf und runter ins Landesinnere und nach etwa einer Stunde zwängen wir uns durch die verstopfte Geschäftsstraße von Paleochora zum fünf Kilometer entfernten Gramenno Campingplatz. Maria vom Campingplatz ist gerade mit einem Berliner Paar mit Kind beschäftigt, die auch eben angekommen sind. Bei einer gemeinsamen Campingplatzbegehung, zeigt sie uns die freien Plätze. Das haut uns alles nicht um, aber schließlich stehen wir neben Gemeinschaftsfläche und Toilettenentleerung einigermaßen gerade unter Eukalyptusbäumen. Heute ist große Wäsche angesagt, die Waschmaschine kann ich nicht finden, ein Österreicher in der Nachbarschft, erklärt, dass diese nur über Maria organisiert werden kann. Mit Maria, die gerade in ihre Mittagspause aufbrechen will, vereinbare ich einen Termin in einer Viertel Stunde. Eilig packe ich alle Schutzwäsche zusammen, auch Bettlaken etc. Und alle Farben durcheinander und so wird alles in der Riesenmaschine in einer Stunde bei 40 Grad gewaschen. Bis die Waschmaschine fertig ist, gehen wir zum Sandstrand, direkt beim Campingplatz. Es ist nicht sehr viel los, und als der Wind wieder so stark wird, dass uns die feinen Körner um die Ohren fliegen, suchen wir Schutz beim Bus, aber auch da bläst er ordentlich. Maria kommt und signalisiert, dass die Wäsche fertig ist. Zwischen zwei Eukalyptusbäumen wird der erste Teil der Wäsche aufgehängt. Zum Wäschetrocknen ist der Wind wirklich gut. Kaum eine Stunde und Bettücher etc. Sind bereits trocken und so kommt die nächste Schicht dran. Bis zum Abend ist alles erledigt. Zwischendurch besucht uns immer wieder ein Blondschopf, der 3-jährige Neo, wie wir später erfahren, und wir müssen Absperrungen bauen, Seile spannen, Leute verhaften und in den großen Kühlschrank sperren ….

Heute gibts Schnitzel mit Zuccinigemüse und griechischen Salat. Schmeckt ganz gut. 

Dienstag, 5. Oktober 2021

Die ganz Nacht über hat es wieder gestürmt, überall ist Sand, selbst durch die mit den Fliegengittern geschützten Fenster dringt er ein. Nach dem Frühstück radeln wir ins 5 km entfernte Paleochora. Erstaunlicherweise gibt es hier über einen Großteil der Strecke einen ganz neuen Radweg, eine absolute Seltenheit auf Kreta. An manchen Stellen ist dieser ausgesetzt und endet abrupt. 50 m weiter beginnt er dann wieder. Wir vermuten, dass die jeweiligen  Grundstückseigentümer dem Bau bisher nicht zugestimmt haben. Echt doof.

Paleochora ist ganz auf Touristen ausgerichtet mit jeder Menge Hotels und Pensionen, in den Einkaufsstraßen finden sich zahlreiche Läden, Tavernen und allem was, ein Tourist so für den täglichen Bedarf benötigt. Es gibt einen schönen Sandstrand, der in großen Teilen mit Liegen bestückt ist. Zunächst fahren wir durch Paleochora durch, wir wollen uns den anderen Campingplatz ansehen. Es gibt dort nur ein paar wenige Plätze für WoMos, die alle besetzt sind bis auf einen, der aber wohl gleichzeitig als Durchgang zum Zeltbereich dient. Das scheint uns nicht so ideal. Es gibt eine Taverne, der Strand ist über die Straße. Der große Vorteil: der Wind scheint hier einfach nicht so stark zu sein, die nahen Steilhänge im Norden bieten guten Schutz. Die junge Frau im Restaurant, die noch schlechter Englisch spricht als ich, meint man könnte sich dorthin stellen. Wir fragen ob eine Reservierung für morgen möglich ist, für einen Wechsel heute ist es zu spät. Sie versteht uns nicht und so vereinbaren wir, am morgen anzurufen und zu fragen ob was frei ist.

Zurück in Paleochora bummeln wir durch das Örtchen, schauen T-Shirts an und erstehen drei Stück, zwei für Winfried und eines für mich.

In einem Supermarkt kaufen für noch das notwendigste und dann fahren wir zurück zum Campingplatz. Am Nachmittag gibts baden und sonnen am Strand, umparken und querstellen des Autos als besseren Windschutz, böser Polizist und Auto putzen spielen mit Neo, unserem ständigen kleine Gast. Irgendwo zwischen den Spielen gelingt es mir, die fällige Einkommesteuervorauszahlung zu erledigen. 

Abends gehen wir auf Empfehlung des Zeltlers aus Österreich in die Taverne Grameno. Winfried bestellt, wie sollte es anders sein, Souvlaki, allerdings vom Schwein, Hähnchen gibt es nicht, ich Okraeintopf von der Tageskarte. Wir müssen tauschen, das Fleisch mit gewissen Fettanteilen ist nix für Winfried. Zurück am Campingplatz ist es bereits dunkel und wir wollen endlich unser Grauwasser entsorgen. Der Zeltnachbar kommt hinzu und bietet seine Hilfe an. Aber auch ihm gelingt es nicht, die Revisionsöffnung, die eine Komplettentleerung ermöglichen soll, zu öffnen. Wir bieten ihm für seine Dienste ein Mythos an, was er gerne annimmt, dafür bekommen wir seine Lebensgeschichte geboten. Markus, 53 Jahre, verrentet, gelernter Schlosser, zuletzt Mitarbeiter als Kulissenmaler bei den Salzburger Festspielen, freischaffender Künstler mit Schaffenskrise, vorletztes von sage und schreibe 16 Kindern!!!

Mittwoch, 6. Oktober 2021

Heute ist Ruhetag. Wir stehen später auf, nach dem Frühstück etwas Schreibarbeit. Ein WoMo reist ab und wir wechseln kurzerhand den Platz und sind jetzt in Strandnähe mit vielen Bäumen. Sehr schön. Neo, unser kleiner Freund ist auch gleich mitgekommen. Er kehrt jetzt wieder unsere Teppiche, ist dann Hexe und später Feuerwehrmann. Neo wird von seinem Vater abgeholt, wir verbringen die nächsten Stunden über Mittag am Strand. Für Elias morgigen Geburtstag zeichnen wir ein paar Wünsche in den Sand und ergänzen das Ganze mit Sprechbeiträgen. Winfried schneidet das ganze zu einem kleinen Video zusammen. 

Später, nach Dusche, essen von griech. Salat aus eigener Produktion und kleinem Schläfchen radeln wir Richtung Westen und erkunden die Gegend. Die ist nicht sehr schön, die Ebene ist zugepflastert mit weißen Gewächshäusern, was hier speziell angebaut wird, erschließt sich uns nicht. Wir fahren zum Krios Beach, dort endet auch die Straße und es beginnt der Wanderweg zum 10 km entfernten berühmten und vermutlich überlaufenen Sandstrand mit karibischen Flair von Elafonisi. Eventuell wollen wir morgen mit dem Schiff dorthin fahren, erkunden uns bei unserer Rückkehr nach den Möglichkeiten bei Maria vom Campingplatz. Sie erzählt soviel, dass ich das meiste nicht verstehe, zumindest meint sie, es könnte sein, dass morgen keine Schiffe wegen Wetter fahren würden. Um sieben Uhr morgens sollen wir eine bestimmte Nummer anrufen und uns erkundigen. Ob wir das wollen, wissen wir noch nicht. 

Auf dem Rückweg kaufen wir noch Brot und ein paar Lebensmittel. Zurück beginnt Winfried mit Kochen. Es gibt Spaghetti aglio olio. Wunderbar.

Donnerstag, 7. Oktober 2021

Die vergangene Nacht war so ruhig, wie schon lange keine mehr. Kein Wind, der am Auto rüttelt. 

Elafonisi ist für heute gestrichen. Evtl. fahren wir mit dem Auto in die Nähe wenn es in den nächsten Tagen nach Norden Richtung Kissamos geht. Da für morgen schlechteres Wetter und zeitweise Regen angekündigt ist, und dies dann auch die nächsten Tage so bleiben soll, gibts heute noch einen Strand- und Faulenzertag. 

Ein anderer Camper kommt vorbei und will wissen, wie zufrieden wir mit unserem Grand California sind. Er selber hatte den 6,80 m langen und hat ihn aber wegen zu vieler Mängel und Ärger zurückgegeben. Über eine ganze Stunde lang werden Erfahrungen ausgetauscht. 

Abends gibt es Bratkartoffeln mit Spiegelei und Bohnen aus Lus Küche. 

Freitag, 8. Oktober 2021

Schon um halb acht stehen wir auf. Nach der üblichen Morgenroutine fahren wir mit dem Rad auf Richtung Paleochora und weiter den Berg hinauf zum Dorf Azogires. Von dort beginnen wir die Wanderung zur Zoures Höhle und zum ottomanischen Fort. Zunächst aber gehts mit dem Rad hinter Paleochora links ab und dann kurvenreich bergan, was auch mit unseren Pedilegs nicht ohne größere Anstrengung zu bewältigen ist. Im Dörfchen Azogiresm kurz vor dem Café Alfa, indem wir nach getaner Arbeit einkehren werden, geht eine betonierte Straße ab nach oben. Wir folgen dem Straßenverlauf ins obere Dorf. Beiderseits der Straße mächtige Olivenbäume unter denen man bereits Netze ausgelegt hat, vermutlich für die bevorstehende Ernte. In weiteren Olivenanlagen sind Mäher mit ihrer dieselbetriebenen Mähern unterwegs, um den Untergrund von verdorrten Distelgewächsen zu befreien und für die Ernte vorzubereiten. Zunächst steigen wir hinauf zur Zoures-Höhle, hier ist auch etwas Klettern erforderlich und um in die Höhle selbst zu kommen, steigen wir steile Eisenleitern hinab ins Dunkle. Nach der zweiten Leiter lassen wir es gut sein, es ist zu dunkel, Taschenlampe haben wir nicht dabei und außerdem ist alles ziemlich mit Vogeldreck bedeckt. Einen Eindruck vom Ausmaß der Höhle, eigentlich eher einem Felsspalt, haben wir gewinnen können. 

Es geht ein Stück zurück und dann durch ein Eisengitter Richtung Festungsruine. Wir durchwandern eine mit viel verdorrtem Buschwerk, unser Wanderführer spricht von Dorniger Bibernelle, bewachsene Ebene. Ich kann es nicht lassen, in die, mitten in der Maccia stehende weiße Badewanne, die vermutlich als Tiertränke dienen soll aber derzeit ausgetrocknet ist, zu steigen. Ein bizarres Bild. 

Schon bald bekommen wir schöne Ausblicke zum Libyschen  Meer und dann zeigt sich die mächtige Mauer der türkischen Festungsruine. Von der Festung selber ist außer besagter Mauer nicht allzuviel erhalten, man hat von hier aber einen herrlichen Blick über Paleochora und aufs Libysche Meer. 

Auf gleichem Weg geht es zügig zurück und im Café Alfa, einem Art Museumscafe, finden wir ein Plätzchen unter der lichten Pergola. Wir essen griechischen Salat und trinken Mythos-Bier. Es ist sehr urig und nach kurzer Zeit ist jeder Tisch besetzt. 

Mit dem Rad geht es danach die fünf Kilometer bergab und danach zurück zum Campingplatz. Am Strand ergattern wir zwei Liegen, das Wetter ist besser als vorhergesagt, und dösen im Schatten einer Tamariske. 

Am Spätnachmittags arbeite ich etwas und gegen Abend besucht uns Nachbar Markus, der weitere Episoden aus seinem Leben zum Besten gibt. Später gibt es Nudeln Arrabiata und obligatorische Kartenspiel, bei dem ich, wie meist, als Gewinner hervorgehe. 

Samstag, 9. Oktober 2021

Auch heute strahlender Sonnenschein, obwohl seit gestern Regen angesagt ist. Uns ist es recht so. Wir werden heute nochmal das Meer genießen, das erstaunlicherweise seit zwei Tagen sehr viel näher gekommen ist und die Wellen mächtig an den Strand schlagen lässt. Der Wind hat gewechselt, der unbarmherzige Nordwind hat gegen eine sanfte Brise aus Süden gewechselt. Sehr angenehm. Den Vormittag verbringen wir am Strand, fahren dann gegen Mittag mit dem Rad in den nächsten Supermarkt und anschließend gibts griechischen Salat aus eigener Küche. Zwischendurch besucht uns wieder der kleine Neo, er und seine jungen Eltern fahren heute  weiter an den Strand von Sougia.  

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